Der Friedhof von Benz
liegt unterhalb der Holländer-Windmühle
 
Den bekannten Benzer Friedhof finden Sie nicht an der Kirche. Seit 1836 liegt er am Dorfrand unterhalb der Holländer-Windmühle. Bemerkenswert ist der seit über fünfzig Jahren stillgelegte, leicht verwilderte idyllische alte Teil des Friedhofes mit zahlreichen guß- und schmiedeeisernen Grabgittern. Wegen der in dieser Art einmalig erhaltenen Grabkultur des 19. Jahrhunderts steht er unter Denkmalschutz.

Auf dem Teil des Friedhofes, der gegenwärtig genutzt wird, sind die bekannten Persönlichkeiten Rolf Ludwig, Otto Niemeyer-Holstein und Carola Stern begraben.

Sie finden diese Gräber wie folgt: Am Hauptweg vor der Kapelle links steht auf dem Grab von Otto und Annelise Niemeyer-Holstein eine Jünglings-Skulptur des Bildhauers Waldemar Grzimek, der mit dem Usedomer befreundet war und wie der Maler einen Sohn im Zweiten Weltkrieg verlor.

Halblinks von der Niemeyer-Holstein-Grabstelle liegt, umgeben von einem schmiedeeisernen Gitter, das Grab des bekannten Volksschauspielers Rolf Ludwig und seiner Frau Ilse Hurtig, Primaballerina an der Staatsoper Berlin.

Seit Februrar 2006 befindet sich, hinter der Kapelle links, die Urne der Publizistin und Schriftstellerin Carola Stern im Grab ihres Mannes Heinz Zöger, der 2000 verstarb und als Kommunist und Widerstandskämpfer zuerst von den Nationalsozialisten und in den Fünfziger Jahren unter Walter Ulbricht als ideologischer Abweichler zu Zuchthaus verurteilt worden war.

Am Eingang des Friedhofes steht vorne links ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Davor wurden am 8. Mai 2005, sechzig Jahre nach Kriegsende, zwei Bronzetafeln niedergelegt, die in besonderer Weise Opfer des Zweiten Weltkrieges ehren: 119 Soldaten aus der Kirchengemeinde Benz mit neun Dörfern und Zivilisten verschiedener Herkunft und Nationen, die in oder kurz nach den Kriegswirren ihr Leben verloren.

Der Fußweg zur Kirche beträgt acht Minuten. Diese mittelalterliche Kirche gehörte bis zum Tode Lyonel Feiningers, zu den Lieblingskirchen des berühmten Bauhauskünstlers (1871-1956), der sich zwischen 1908 und 1912 jeweils im Spätsommer und im Frühherbst für viele Wochen auf der Insel aufgehalten hat. Er hat sich auf seinen Spaziergängen am Strand bis Swinemünde oder mit einem Fahrrad der Marke Cleveland Ohio hunderte von Natur-Notizen erwandert oder erradelt und später in seinem Atelier in Bilder umgesetzt.

Neben der historischen Dorfkirche in Benz liegt das Kunst-Kabinett Usedom, das den Namen Feininger pflegt. Die Galerie ist ganzjährig freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. In diesem Kabinett zeigt die Benzer Galerie auch ein Fahrrad der Marke Cleveland Ohio von 1897, noch mit Holzfelgen, aber schon luftbereift.
 
Text geschrieben von Kunst-Kabinett Usedom.