Benz. Nach den erhabenen Feierlichkeiten ist die Insel zur Tagesordnung übergegangen. Die Sonntags-Reden sind verklungen - aber der häßliche Fahrradweg von Alt-Sallentin über Benz nach Neppermin bleibt. Damit wir uns nicht mißverstehen: Jeder (Insulaner und Urlauber) freut sich über jeden Kilometer zusätzlichen Fahrradweg. Jeder Fahrradweg erhöht die allgemeine Sicherheit für Fahrradfahrer ... und Autofahrer, zumal wir zwischen Bansin und Benz in der Vergangenheit leider zwei tödliche Unfälle zu beklagen hatten. Auch stellt der neue Fahrradweg für fahrradbegeisterte UrlauberInnen eine sinnvolle und wichtige Verbindung zwischen den DreiKaiserBädern und dem Achterland und umgekehrt her. Aber Fahrradwege sollten sich behutsam in die Landschaft einfügen. Sie sollten die Natur nicht verschandeln. Das jedoch geschieht durch den neuen Fahrradweg. Unglücklicherweise ist diese Strecke auch noch ein Teilstück der Lyonel-Feininger-Fahrrad-Route.
Der neue Fahradweg ist eine Festung aus Beton, Leitplanken und Stahlgittern, besonders vor dem Schwalbennest in Benz. Dort ist die Berliner Mauer neu aufgebaut worden. Wahrscheinlich zur Freude der vielen BerlinerInnen, die auf Usedom eine unverbrauchte Natur suchen ...
Der neue Fahrradweg ist offensichtlich hektisch geplant und wenig durchdacht angelegt worden. Die Gesamtstrecke von Bansin aus wechselt mehrfach die Straßenseiten und endet in Benz am Schwalbennest recht gefährlich, für Fahrradfahrer und Autofahrer. Am Ende der Talfahrt taucht unvermittelt eine Stahl-Barriere auf. Aber die Amtsträger (beispielsweise der Bürgermeister und Amtsvorsteher sowie der Kreis Ostvorpommern) behaupten: die Sicherheitsbestimmungen sind eingehalten worden ... Auch hinter Benz, Richtung Neppermin: Beton, Leitplanken und Stahl-Auffang-Gitter, mitten in der schönen Natur. Alternativen sind nie ernsthaft gerprüft und Einwände von einzelnen Abgeordneten des Gemeindeparlamentes sind vom Bürgermeister in der bekannten Gutsherren-Manier abgebürstet worden. Was hätte gegen eine andere Wegführung auf der anderen Straßenseite, teilweise durch den Wald, teilweise auf dem Selliner Weg gesprochen? Die Planungsphase wäre vermutlich länger gewesen. Fahrradwege müssen doch nicht unbedingt entlang von Autostraßen verlaufen. Fahrradfahrer haben ein Recht auf gesunde Fahrradwege!
Der neue Fahradweg ist der häßlichste Fahrradweg, den ich bisher in Deutschland gesehen habe. Auf einer Reise durch mehrere Bundesländer habe ich kürzlich in Niedersachen und Schleswig-Holstein Fahrradwege ohne Leitplanken und Stahlgitter gesehen, die Kilometer um Kilometer neben sehr stark befahrenen Straßen entlangführten – auch im leicht hügeligen Gelände
Der neue Fahradweg (Wiederholung) verschandelt die wunderbare Natur entlang der Strecke und in meinem schönen Wohnort Benz. In den Seebädern bauen wir jeden Park mit Beton zu, im Achterland setzten wir diese Beton-Hysterie auf Fahrradwegen fort. Unglaublich....
Der neue Fahradweg ist für VIELE außerdem eine verantwortungslose Verschwendung von Steuergeldern. Hier sind Fördergelder vergeudet worden. Für den verwandten Beton, die Leitplanken und die Stahlgitter hätten etliche weitere Kilometer gebaut oder eine andere Trasse gewählt werden können.
Lyonel Feininger, sehr geehrter Herr Bürgermeister Karl-Heinz Schröder (Benz), der auch hier wieder für Kommunalpolitik und Tourismus in Anspruch genommen worden ist, liebte die Harmonie, die Proportion, die Idylle, die wunderbare Natur ... Er würde sich heute, da bin ich sicher, andere Lieblingsorte als Benz und Neppermin aussuchen... Oder Lyonel Feininger würde trotzalledem die häßlichen Groß-Mülltonnen und den verkommenen Konsum mitten im Ort naturnotizen, im Schatten seiner geliebten mittelalterlichen Kirche ... |